Help, I’m alive! oder: warum man über der Fadesse der AFL stehen sollte

Heute ist der erste Spieltag der Austrian Football League. Das erste Spiel: das Austrian Bowl Rematch Swarco Raiders gegen Vienna Vikings. Die Vorzeichen sind wie das Wetter: viel zu kühl. Ich erkläre Ihnen, warum Sie Ihren Wintermantel anziehen sollten.

Die höchste österreichische Football-Liga hat in den letzten Monaten stark geblutet. Headline-Scanning zeigt ein schwer zu beschönigendes Bild. In aller Kürze:

  • Zuschaueransturm nach der Heim-EM: Fehlanzeige.
  • Top-Spiele des Jahres im Westen: Friendlies
  • gemeinsames Auftreten der Teams: agree to disagree
  • Transfers: Ausbildungsland.

Reden wir kurz über die 4 Punkte.

Leute, kommt ins Stadion

Die AFL wurde letztes Jahr für die EM unterbrochen. Die EM war zuschauertechnisch ein Erfolg. Der AFL hat es wenig gebracht. Die Zugpferde Vikings und Raiders kämpfen um die Besucher. Beide versuchen es auf ihren Weg.

In Wien betont man die Pyro-Show und predigt das Murthsche Konzept, das eine Live-Übertragung null Werbewert hat.

In Tirol verlässt man das leere Tivoli und geht in das kleine, Swarovski-nahe Wattens. Außerdem dreht man die RaidersTV Übertragungen des AFL-Grunddurchgangs ab.

Beide Maßnahmen schreien doch: Schadensbegrenzung.

Über Prag, Stadlau und Graz lässt sich leider wenig mehr sagen als Nicht-Präsenz.

Tiroler Fans sind ahnungslos

Die SWARCO Raiders spielen noch im Tivoli. Sie halten ihre Big6 Games und den Battle4Tirol dort ab.

Seltsame Message der Wertigkeit, hm?
Das Tiroler Publikum wird echt so eingeschätzt, dass sportlich wertlose Freundschaftsspiele gegen klar unterlegene Teams aus Stuttgart und London mehr Zugkraft haben als der Kampf in der mit besten Liga Europas.
Herr Schwazer, zumindest ich fühle mich gnadenlos unterschätzt.

Am Ende der Saison können wir ja vergleichen, ob die Zuschauer-Rechnung aufgeht. Wäre da nicht das ewig vorhandene Sternchen der veröffentlichten Zahlen …

Der Graben zwischen West und Ost

Diese Woche hat Shuan Fatah, der Coach der Tiroler ein durchaus ehrliches Interview der TT gegeben. Neben den bereits angebrachten Punkten bringt er ein Wort ins Rampenlicht: Wir.

Er sagt klar aus, dass die AFL nicht gemeinsam arbeitet. Jedes Team schaut ausschließlich auf sich selbst. Den Verband nimmt er in Schutz, aber er spricht an, was seit Jahren offensichtlich ist.

Zwei Beispiele aus vergangenen Jahren: ein Team-Präsident ruft an der Uni an, ob die deutschen Studenten eines anderen Teams eh Prüfungen ablegen. Im Gegenzug wird jegliche von diesem Präsidenten getragene Entscheidung als direkten Angriff gegen das eigene Team vermutet. (Namen und Teams sind hier leicht zu ergänzen.)

Die AFL ist kein Waldorf-Kindergarten. Muss sie auch nicht sein. Aber wie eine fünfköpfige Liga so heterogen sein kann, ist ein Rätsel. Der AFBÖ selbst hat hier viel zu lange zugesehen, nicht reagiert und mitunter sogar die Situation verschlechtert.

Dass die Import-Regel diese Saison nicht wie ursprünglich vereinbart und kommuniziert wieder auf 2 Imports pro Team erhöht wurde, ist an sich sehr wünschenswert. Die AFL braucht keine 4 Imports am Feld. Am Ende bleibt aber der öffentlich bittere Geschmack, dass der Gegner der Regelung als einziger in die Kommunikations-Offensive gegangen ist – und somit jegliche positive Wahrnehmung unmöglich gemacht wird. Lieber AFBÖ, tut Gutes und sprecht als Erste darüber.

Wo sind die NFL Spieler, wo ist Laurinho?

Als unmündiger Tiroler Fan müsste ich jetzt laut rufen: Wo zum Teufel sind die beinahe-NFL-Spieler? Blödsinn.

Bitte, seien Sie froh, dass wir keine gescheiterten Tony Hunts & Co brauchen. Die AFL ist in den letzten Jahren ein qualitatives homegrown-Highlight geworden. Was da an Hochkarätern herangewachsen ist, unglaublich. Namedropping ist nicht nötig.

Daher ist für mich die letzte negative Schlagzeile eine positive. Sie wurde nur falsch gedreht.

Die AFL wird zu DER europäischen Ausbildungsliga.

Die Abgänge von Andreas Hofbauer, Dustin Illetschko, Benjamin Bubik und Laurinho Walch wurden im Ausland allesamt als echte Verstärkungen gesehen. Österreicher werden zu A-Klasse Spielern. Das ist ein Erfolg, Leute. Da passen die News von Tom Schaffer dazu.

Football-Österreich nimmt das aber natürlich in erster Linie als Chance zum Sudern/Sumsen/Jammern.

Wenn Sie mich nun fragen, wieso Sie ins Stadion sollen?

Ganz einfach.

Sie können 16-jährige Steirer anfeuern, einen 32-jährigen Prager zu tacklen.

Sie können zwei hochtalentierten jungen Quarterbacks zusehen, wie erfolgreich die Jugendarbeit inzwischen ist.

Sie können die wenigen Import-Spieler auf ihre Notwendigkeit prüfen.

Sie können zu Touchdown-Liedern tanzen, die Sie unter normalen Umständen verachten würden.

Sie können Football boomen lassen.

ES IST GAMEDAY!

Gehen Sie ins Stadion.

(oder verfolgen Sie den einzig wahren Ticker)

Viel Vergnügen!

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