Death by a Thousand Cuts

Die Deadline für die erste Runde an Roster Cuts ist verstrichen. Alle Teams mussten ihre Roster von 90 auf maximal 75 Spieler kürzen, und wir werfen einen Blick auf ein paar interessanten Namen unter den Leuten, die nun “between Jobs” sind.

Arizona Cardinals – K Jay Feely
Gesunde Veteranen Kicker bleiben nie lange arbeitslos. Feely mag zwar etwas an Kraft eingebüßt haben, aber er ist besser als niemand. Daran sollten z.B. die Broncos denken, wenn sie Praters Suspendierung angehen wollen – und der Brandon McManus Trade nicht fruchtet..

Arizona Cardinals – QB Ryan Lindley
Greg Cosell hat einmal gesagt, wenn man die besten 25 Würfe von Lindley aus dem College in ein Tape packen würde, würde er besser aussehen als Andrew Luck oder RGIII. Sein größtes Problem war immer Konsistenz, aber mit nur 25 Jahren hat er noch einiges an Upside für Teams, die sich mit ihrer #2 unsicher sind.

Buffalo Bills – DT Alan Branch
Die kürzeste Begründung für den Release ist natürlich, dass Branch letzte Woche für DUI verhaftet wurde mit 1.4 Promille, aber in Wirklichkeit hat er schon davor frewillige Offseason Trainings versäumt und den conditioning test zu Beginn des Training Camps verhaut. Branch, ein ehemaliger 33. Pick, dürfte somit das mentale Ende der Fahnenstange eines Pro-Athletes erreicht haben. Einzig Bill Belichick kommt wohl in Frage, ihn zu midseason zu holen, damit er dann in der Super Bowl 3 Sacks macht.

Buffalo Bills – QB Dennis Dixon
Dennis Dixon war 2-0 als Roethlisberger-Ersatz 2010. Dixon ist Teil eines fast schon legendären Blurs an Steelers-Backups, die allesamt – Big Bens Verletzungen sei Dank – gerade genug Exposure bekamen, um lang genug herumzuhängen in der Liga. Charlie Batch war hinter Terry Bradshaw der zweitlängstgediente Steelers QB ever. Er ging erst 2013, als die Steelers Landry Jones drafteten, in die Fernseh-Pension. Und Byron Leftwich hat 2012 noch eigene Rippen bei eigenen TD-Läufen gebrochen. Dixon verschmilzt mit ihnen allen zu einem zu langsamen QB mit ewigem Windup, absurdem footwork und einem Selbstverständnis, das von den alten Steelers geprägt wurde: Warum sollte auch ein QB Spiele gewinnen, wenn es eine Defense gibt? Steelers Backup-QBs sind immer Teil unserer Albträume, sie sind das kollektive Unbewusste der NFL, ihr Es, ein Archetyp an Schrecken wie für andere Leute Clowns. Sagen wir es so: Die Steelers waren 2010 trotz Dixon 2-0

Buffalo Bills – QB Thad Lewis
Und um zu verhindern, dass ähnliches später über die Bills-Backups gesagt wird, haben sie auch gleich EJ Manuels nominelle #2 gecuttet. Jeff Tuel ist jetzt – wieder – der Hauptbackup der Bills, ein ungewöhnlicher Schritt, warten doch die meisten Teams bis zum vierten Preseason Game um sich zu entscheiden, wer die Nummer 2 sein wird..

Carolina Panthers – WR Tiquan Underwood
Dass die Panthers sich überhaupt trauen, WR zu cutten ist beachtlich genug bei ihrer Depth, dass sie ganze 4 gehen lassen, grenzt an Fahrlässigkeit. Aber der einzige Camp Body unter den Namen, der heraussticht, ist Underwood, ein Journeyman-Speedster, der 1000 Career Yards hinter sich hat, auf diversen schlechten Jacksonville und Tampa Bay Teams. Underwood ist auch ein AFC Champ 2011, erfuhr aber die vermutlich bitterste Anekdote, die man unter Belichick erleben kann: Gecuttet am 4. Februar 2012, einen Tag vor der Super Bowl, zurückgeholt auf den Patriots Roster am 7. Februar, zwei Tage nach der Super Bowl. Er kann also, im Gegensatz zu den meisten AFC Champs damals, sagen, dass er noch nie eine Super Bowl verloren hat.

Chicago Bears – SF Adrian Wilson
Selten cuttet ein SF-needy Team einen Veteran-SF mit über 130 Starts, 20 INTs, 20 Sacks und 5 Pro Bowls unter dem Gürtel. Wilson sah in der Preseason eigentlich ok aus, und selbst Bears-Fans sind sich nicht ganz sicher, was genau passiert ist. Auf jeden Fall ein Midseason-Kandidat für ein verletzungsgeplagtes Team in need of a veteran, dem man nichts groß mehr beibringen muss.

Chicago Bears – CB Isaiah Frey
Sieht man auch nicht oft, dass ein letztjährigen Nickel-Starter so früh gecuttet wird. Frey war zwar nicht weltbewegend, aber er wurde weniger durch sein Spiel, als durch Kelvin Haydens Gesundheit und den Pick von Kyle Fuller verzichtbar gemacht. Wäre interessant, wenn der woanders unterkommen könnte.

Cincinnati Bengals – WR Ryan Whalen
An Ryan Whalen ist wirklich nichts Besonderes. Wirklich nicht. Ein konstanter, unscheinbarer und weder positiv noch negativ auffallender Receiver könnte man meinen. Um ihn müsste man sich ja nicht mal Sorgen machen, dank seiner Ausbildung in Stanford. Und trotzdem: es wäre schade um den Jungen, wenn es nicht irgendwo ein Platzerl für ihn gibt. Er ist viel zu sympathisch.

Cleveland Browns – WR Anthony Armstrong
Das erschreckende hier ist, dass die Browns nicht berühmt sind für ihre WR-Depth gerade. Sie sind auf der anderen Seite auch nicht berühmt für WR-Evaluation, sprich, es kann durchaus sein, dass er einen Anruf bekommen wird von einem alten Fuchs wie Reid oder Belichick.

Denver Broncos – LB Jamar Chaney
Chaney war einmal Starter eines “Dream Teams”, welches den Vince-Young-als Michael-Vick-Backup-Traum schnell als OL-Coach-als-DC-Alptraum erlebte. Das ist aber lange her, letztes Jahr wollte nicht einmal Atlanta, welches kurz davor war Tommy Nobis aus der Pension zu holen und als LB aufzustellen, weil sie so hoffnungslos dünn auf der Position sind, ihn nicht behalten, nicht als Camp Body, nicht als Balljunge. Sein jüngster Albtraum endete nun verletzungsbedingt in Denver. Träum schön.

Detroit Lions – CB Drayton Florence
Florence sah letztes Jahr als dritter CB einer Playoffdefense sehr gut aus: Einem erlaubten TD stehen 2 Picks und 5 Passes Defended gegenüber, erlaubter passer rating von 66.6, null erlaubte Catches im Divisional Playoff gegen die 49ers. Er wurde seither von nicht nur einer, sondern zwei schwachen Secondaries gehen gelassen. Er sah in Detroit einen Schritt langsamer aus als letztes Jahr, aber das dürfte in der Secondary eigentlich nicht weiter auffallen. Wäre ihm zu Wünschen, wenn noch wo die Chance als Nickel oder Safety bekommen würde.

Jacksonville Jaguars – WR Ramses Barden
Ein Super Bowl Champ, der seither weder bei den Bills, noch bei den Jaguars wen überzeugen konnte. In diesen Corps sollte man eigentlich allein schon durch seine Physis einen Platz finden können, selbst wenn man alle gefangenen Bälle sofort zurückpasst oder dem Gegner übergibt.

Jacksonville Jaguars – FB Harvey Unga
Unga war all-time leading rusher von BYU, der Mormonen-Universität, als er und seine Freundin 2010 beide die Uni verließen, um nicht gegen ihren Ehrenkodex zu verstoßen. Als Supplemental Draftpick der Bears fasste er aber nie Fuß und sein Besuch in Jacksonville war jetzt auch sehr kurz. Die NFL-Welt ist eben auch voller Ehrenkodexe Ehrekodexi Ehrenkodizes und Unga hat nie den Effort gezeigt, der nötig war, um einen Roster nachhaltig zu verändern.

Miami Dolphins – TE Michael Egnew
Manchmal cuttet ein TE-needy Team ein junges Drittrundentalent, dass dann von einem TE-satten Team vom Waiver geholt wird. Egnew ist jetzt in Detroit. Was er dort genau tut, wissen wir nicht.

Minnesota Vikings – CB Derek Cox
Cox sah letztes Jahr brutal aus in San Diego, wurde gebencht und dann gefeuert. Die Depth bei den Vikings ist auch nicht berauschend, das macht den Release nochmal alarmierender. Dass er mit 27 schon aus der Liga gewaschen wird, ist aber unwahrscheinlich, als Injury-Ersatz könnte er heuer nochmal einen Anruf kriegen.

New England Patriots – LB James Anderson
Anderson war jahrelang die Versicherung für den unvermeidlichen Ausfall von entweder Jon Beason oder Thomas Davis in Carolina, bevor Luke Kuechly ihn obsolet machte. Seine 94 Spiele führen noch immer die Panthers-Geschichtsbücher an, aber als er letztes Jahr dann die Bers-Defense in Tackles anführte, führte besagte Defense plötzlich die Bears-Geschichtsbücher in “schlechter run defense” an. Um ehrlich zu sein, kann er nicht viel dafür. Er musste gleichzeitig tacklen, covern, Safeties heumkommandieren und Rookies Jon Bostic und Khaseem Greene auf dem Feld einschulen, als sie verletzungsbedingt viel zu früh ran mussten. Als systemfremder Neuzugang auf einem one-year-deal, der selbst vermutlich noch damit beschäftigt war, alle Winkeln des defensiven Playbooks zu studieren, und ohne jahrelang erarbeitete Leadership-Vibes im Team, war das Scheitern vorprogrammiert. Dass die Patriots nun aber ganze 4 UDFA LBs lieber als ihn behalten haben, ist eine neue Form von Scheitern. Word is, Anderson kann mittlerweile nur mehr in Coverage spielen, und pass somit nicht zur aktuellen Emphase der Pats Box. (Merke: Während die ganze Welt auf die “Pass-Dominanz der NFL” versucht zu reagieren, sind die Patriots wieder zwei Jahre weiter.) Die Frage ist also: Hat er die Bears run defense zerstört, oder haben die Bears seine run defense zerstört?

New Orleans Saints – LB Victor Butler
Er kam dank Rob Ryan und war immer one of “his guys”, ein Eckstein, der die Saints Defense bei der Umstellung zur 3-4 stützen sollte. Butler verletzte sich, fiel die ganze Saison aus, verletzte sich wieder, und ward jetzt gegangen, ohne je einen Snap für “his coach” in New Orleans zu spielen.

New York Jets – CB Ras-I Dowling
Dowling war ein vielversprechender 2011-Zweitrundenpick der Divisionsrivalen aus New England, der aber die ersten zwei Jahre auf IR verbrachte, bevor ihn die Jets für ihr Practice Squad holten. Er überzeugte nicht auf Special Teams, aber CB-needy Teams wie die Panthers, Colts, Jaguars, Washington oder Steelers könnten sich in ihn vergucken. Dowling ist mit 6-1.5 groß genug für die modernen WRs und kräftig genug für man-press, aber speed und durability werden bei ihm immer das große Fragezeichen sein.

New York Jets – WR Jacoby Ford
Ford ist der erschreckend schnelle deep threat, der nun schon von den Raiders und den Jets gecuttet wurde. Jetzt mag ein Schelm böses denken, vonwegen, wenn er für schlechte Teams zu schlecht ist… aber er hatte, soviel sei auch gesagt, nie auch nur annähernd solides QB-Play oder eine gute Organisationskultur um sich herum. Das kann einen WR für’s Leben brechen, aber das sind auch typischerweise “Problemspieler”, die dann mit einem guten QB plötzlich gut sind. Panthers, Baltimore, 49ers und Chargers wären denkbare Plätze.

Oakland Raiders – QB Trent Edwards
So viel dazu.

San Francisco 49ers – P Colton Schmidt
Eigentlich ein klassisches Camp Leg, das entlasten soll. Der liebe Colton vom California-Davis College hat aber genug von ebendiesem Status. Seine Net Average von 46.1 Yards pro Punt ist nicht nur 1.7 Yards besser als die des zweitbesten Preseason-Punters, sondern wäre auch in der Regular Season 2013 Ligaspitze gewesen. 4 seiner 7 Punts landeten in der gegnerischen 20. Wenn ihr von diesen Stats genau so viel haltet, wie wir: punters are people too!

Seattle Seahawks – CB Terrell Thomas
Einst ein Super Bowl Champ mit den Giants, wurde Thomas’ Karriere durch mehrfache ACL Verletzungen gebremst. Er spielte letztes Jahr dennoch volle 16 Spiele und sah abgesehen von zwei brutalen Begegnungen mit Peyton Manning und Philip Rivers sehr ok aus. Das hier dürfte ein Fall sein von “too much depth”. In der Seahawks Secondary als Camp Neuling nicht Fuß fassen zu können ist mehr als verständlich. Teams mit weniger CB Depth könnten sich aber über seine Erfahrung freuen.

Seattle Seahawks – DE Jackson Jeffcoat
Ähnlich steht es wohl auch um Jeffcoat, der in einer der besseren Boxen der Liga nicht bestehen konnte. Jeffcoat war dritter der Nation in Sacks letztes Jahr und der Nachfolger von Jadeveon Clowney als Tod Hendricks Award Empfänger für den besten DE im College. Im Vorfeld des Drafts, war es nicht absurd, ihn in die Konversation um die zweite oder dritte Runde zu werfen, dass er undrafted ging war eine der Überraschungen des Drafts. In Seattle nicht reinzukommen überrascht hingegen wie gesagt weniger, aber für pass rush hungrige Teams, die deutlich weniger Depth dort haben (Hallo, Atlanta!), könnte er ein später Steal werden.

Beitragsbild by Matthew D Britt under CC BY-NC-SA 2.0 (cropped)

2 Kommentare zu “Death by a Thousand Cuts”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s