#14off6 /// NFC South /// Fehler in der Matrix

Wir kommen zur NFC South, die heuer durch den Hard Knocks Fokus wieder stärker im Vordergrund steht. Kann sie halten, was sie seit Jahren verspricht? Fast immer zwei Playoffteams und fast schon gespenstische Parität?

Marko: Simon, die NFC South hat ja eigene Regeln. Alle vier Teams haben sie z.B. gleich oft gewonnen bisher (je drei Mal) und es hat auch seit ihrer Gründung 2002 kein Team je die Titelverteidigung geschafft.

Simon: Aber mir kommt heuer vor, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Es gibt erste Fehler in der Matrix, Sachen die nicht ganz stimmen…

Marko: Ja, man darf den Bildern nicht immer trauen… z.B. dem letztjährigen Bild, dass die Panthers das beste Team wären.

Choice is an illusion

Simon: Dann spiel ich mal Teufelsadvokat und sage, dass ich da schon ein verdammt starkes Defensiv-Bollwerk sehe, das auch in DVOA vor allen anderen NFC South Teams landete.

Marko: Aber hier wird’s ja eben schon interessant: Die Panthers sind dank einer Top 3 Def und einer Top 10 Off dort knapp vor den Saints mit einer Top 3 Off und einer Top 10 Def. Und DVOA-Studien sagen immer wieder: Offensive Leistung ist konstanter als Defensive Leistung.

Simon: Verstehe, vor allem, wenn du alle WRs und deinen Franchise LT gehen lässt.

Marko: Genau, Cam Newton wird von Byron Bell beschützt werden, der letztes Jahr auf RT 10 Sacks und 34 Hurries zugelassen hat, gegen den jeweils meist zweitbesten pass rusher des Gegners.

Simon: Ein bisschen Grund zur Hoffnung bietet Drittrunden-Steal Trai Turner, der vermutlich auf RG starten wird. Aber RG ist nicht LT.

Marko: Und dann ist da das Receiving Corps. The Problem is choice.

Simon: Kelvin Benjamins Catch in der Preseason war natürlich aufsehenerregend. Aber ich kann mich nicht erinnern, wann das letzte Mal das Passspiel eines Playoffteams so sehr von einem Rookie abhing, weil er wirklich gar nichts an Unterstützung sonst hat.

Marko: Kenbrell Thompkins letztes Jahr?

Simon: Der dann 3 Targets in den Playoffs bekam und währned Julian Edelman mehr Targets als alle anderen WRs schultern musste? Siehst du Jason Avant oder Jerricho Cotchery so eine Last tragen, sollte Benjamin Rookie-Jitters haben?

Marko: Nein, daher ja auch die Warnung, dass die Panthers kein Lock per se sind, ihren Titel zu verteidigen.

Simon: Erwartest du in der Def auch Rückschritte?

Marko: Die Box dürfte heuer noch stabil bleiben, da wird langfristig aber auch für die Zeit nach Thomas Davis was überlegt werden müssen.

Simon: Die DBs sind da heuer das größere Fragezeichen, ja. Man wird im Regelfall nicht besser als Secondary, wenn man die Castoffs der Divisionsrivalen zum Starter macht.

Marko: Roman Harper und Thomas Decoud. Das sind vermutlich der siebt- und achtbeste Safety der Division.

Simon: Ich mag die Versicherungspolice, die sie mit Kony Ealy gedrafted haben. Sie werden sich bald nicht Greg Hardy und Charles Johnson zusammen leisten können.

Marko: Plus Hardy, das nächste Kapitel in der Geschichte der NFL-Frauen-Schläger,  kommt zwar heuer ohne Suspension durch, aber sein Berufungstermin im Januar könnte und sollte für seine Zukunft Konsequenzen haben. Die Liga ist berühmt dafür, nicht zu reagieren bei sowas, aber über dem Gesetz stehen sie ja doch nicht.

Simon: Das letzte Mal, als die Liga in der Division hart durchgriff, waren es die Saints, die die Bullett nicht gedodgt haben. Seither wirken sie aber erholt.

Waffen, jede menge Waffen!

Marko: In der Tat, vor allem auch wenn man die Offense bedenkt, sind sie ein bisschen die Anti-Panthers. Brandin Cooks, willkommen in der NFL.

Simon: Die Saints waren immer großartig darin, Ballfänger groß zu machen, das macht ein Drew Brees nunmal mit dir. Und sie wirkten ja auch immer fast schon austauschbar, das war ja immer mit das angsteinflößendste. Jede der drei WR-Typen zB hatte immer super Nachfolge- und Backuppläne.

Marko: Welche Typen hast du da genau im Kopf?

Simon: Der Marques Colston-Typ, groß und großartig in Traffic. Hallo Nick Toon, der über ein ähnliches Skillset verfügt. Der Lance Moore Typ, klein und im Slot, hallo Brandin Cooks. Der Devery Henderson Typ, der vertikale Wahnsinn, da war auch immer ein Robert Meachem oder jetzt ein Kenny Stills in der Pipe.

Marko: Und sie bewegten diese unterscheidlichen Typen trotzdem gern herum, die können schon alle alles. Im Preseason Game gegen die Titans z.B. fing Cooks eine extrem schwere Corner Route, die für Slot-Wuzzis nie zu den leichten gehört. Der Junge sieht sehr beachtlich aus.

Simon: As you adequately put, the problem is choice.

Marko: Und damit haben wir noch nicht mal die problemlosen Transitions von Reggie Bush zu Darren Sproles oder Jermon Bushrod zu Terron Armstead, dem Playoffwunderrookie vom Vorjahr erwähnt, der heuer auf LT starten wird.

Simon: Dabei fällt mir ein, die Saints sind jenes Team, das letztes Jahr am meisten ihr Lineup rotiert hat.

Marko: Stimmt. Manches davon ist Sean Payton messing with our heads, aber wenn ein 11-5 Playoffteam das macht, ist es meistens auch Ausdruck von enormer Depth und Flexibilität.

Simon: Zwar heißen zwei andere NFC South Figuren Smith, aber mich erinnert diese Vielfalt an offensiven Playmakern bei den Saints dennoch immer an den Agent Smith, der sagte: The best thing about being me… there’s so many of me.

Marko: Die Defense, bereits um Welten besser letztes Jahr unter der 3-4 Idee von Rob Ryan, hat sich auch verstärkt, oder?

Simon: Wiederum die Anti-Panthers, haben die Saints ihre Secondary von Schwachpunkt zu Stärke transformiert. Gelungen ist dies mit einer gesunden Kombination aus Stopgap und Development: Kenny Vaccaro schaut z.B. in der Preseason bereit für eine Pro-Bowl-Season aus, und neben ihm läuft nun Ex-Bill Jairus Byrd auf.

Marko: Wenn Harper und Decoud 7+8 sind, haben die beiden hier gute Karten beide in den Top 3 der Division zu landen. In der Preseason enorm aufgefallen ist auch Vinnie Sunseri, ein Fünftrundenrookie, der in Alabama an Ha Ha Clinton-Dix’ Seite zwei National Championships gewonnen hat.

Simon: Und dann haben sie außen noch Champ Bailey geholt, wo man ja sonst die Augen rollen würde vor lauter Unnachhaltigkeit, wenn da nicht der sehr smarte Stanley Jean-Baptiste-Pick in der heurigen zweiten Runde wäre.

Marko: Du weißt, ich rolle bei den Saints prinzipiell gern mit den Augen, aber du hast Recht, da gibt’s wenig zu meckern.

Simon: Ich würde ja anmeckern, dass die LBs nicht die glanzvollsten sind. Einzig Junior Gallette als pass rusher mag hier überzeugen, aber der Rest fleht quasi nach Bashing und Benching.

Marko: Gut für sie, dass mit Tony Gonzalez’ Abgang nur mehr Greg Olsen als gefährlicher non-Saint TE in der Division übrig geblieben ist.

Simon: Ist das nun also die dieswöchige obligatorische Stanford-Erwähnung? Du, als Falcons Fan, disst den Baum Levine Toilolo?

There is no spoon

Marko: Wenn Mickey Schuler, ein 2010er Siebtrundenpick, der seither bei sechs (!) verschiedenen Teams vor Atlanta war, besser in der Preseason aussieht, muss er sich ein bisschen Diss gefallen lassen. Sowohl Thomas Dimitroff als auch Matt Ryan haben vor laufender Kamera gesagt, dass man um Toilolo herumschemen wird müssen. Confidence galore!

Simon: Ich glaub du übertreibst, die Falcons sind doch everybody’s bounce-back favorite!

Marko: And bounce back they will. 7 Siege sind besser als 4.

Simon: Die OL ist klar verstärkt, jede OL wo Peter, äh “Knoz” nicht Starter ist, ist verstärkt per Definition. Jon Asamoah war einer der unterschätzten Teile der letztjährigen Kansas City Linedominanz, und Erstrundenpick Jake Matthews sieht meiner Meinung nach technisch jetzt schon am saubersten aus auf der Line.

Marko: Und eben da beginnen die Probleme. Mit Sam Bakers Ausfall muss Matthews vermutlich als Rookie links starten. Elite-Tackles tun sich im Regelfall als Rookie rechts schon schwer genug, geschweige denn links.

Simon: Du denkst an Eric Fischer und den letztjährigen Jahrgang. Ich denke, Matthews saw auf College-Tape besser als diese Truppe aus.

Marko: Das mag sein, aber jetzt steht Matt Ryan halt hinter Lamar Holmes auf RT. Oder Gabe Carimi. Oder meiner Oma.

Simon: Julio ist zurück.

Marko: Die Falcons Offense hat dennoch null margin of error. Wie dünn die WR Depth ist, ist seit dem Championship Game gegen die 49ers vor zwei Jahren bekannt. Sie wird trotzdem das Spiel tragen müssen, weil die Hoffnung nuneinmal nur Ryan sein kann, und die Coaches allesamt ihr Laufspiel hinter konservativem playcalling verstecken.

Simon: Wie geht’s Devonta Freeman?

Marko: Hervorragend! Der Junge averaged glaub ich bisher 8.3 Yards per Touch, und sieht bei jedem Snap wie der beste Mann am Feld aus. An wen erinnert das? An den Mann vor ihm am Depth Chart, Antone Smith, der letztes Jahr trotz Verletzungen allerorten und einer gekübelten 4-12 Saison ganze 5 (!) Carries bekam. Er machte auch nur 29 Yards per carry und 2 TDs draus, aber würde Mike Smith erwähnen ihm deswegen mehr Carries zu geben? Bisher keine Spur. Steven Jackson und Jacquizz Rodgers verbuddeln also das Laufspiel, während alles darauf hofft, dass Ryan nicht gesackt wird auf dem Weg zu seinen nur-mehr-zwei-reads Julio und Roddy.

Simon: Ich seh die Defense da kaum aushelfen. Pass rush und gute Safeties hat sich Nolan noch immer keine geholt, und LB ist durch den Ausfall von Leader Sean “Spoon” Weatherspoon mehr als mager besetzt. Außer Desmond Trufant, gibt’s’ Hoffnung?

Marko: Ich seh sie nicht. Dimitroff fängt nun dank Scott Pioli an, nach der ersten Runde physical prospects mit mental issues zu draften, anstatt umgekehrt wie bisher. Das wäre eine spannende Trendwende, wenn Smith-Coaching je bewiesen hätte, dass sie Leute über ihren Draftstatus hinaus entwickeln können.

Simon: Mir fällt nur Brent Grimes ein.

Marko: Und das war noch in den Nullern. Der neue DL Coach Bryan “Reach down inside and get whatever the fuck your mother gave you“ Cox sieht zumindest auf “Hard Knocks” aus wie die moderne Inkarnation von Morpheus (und Ra’Shede Hagemans Sohn heißt in der Tat Zion) aber die Division wird nicht auf HBO gewonnen.

morpheus

 

Simon: Du siehst also keine Zukunft für Mike Smith in Atlanta?

Marko: Mich würde es sehr wundern, ehrlich gesagt. Er und Dimitroff überreagieren einfach oft so frustrierend eindimensional, als ob sie Ron Rivera ausstechen möchten. Totale 4th-Down-Konservative nach dem Giants Wild Card loss, Julio als Depth-vernichtende Antwort auf den Green Bay loss, jetzt Hageman und inkonsistentes Coaching über “gute Strafen”, um Toughness wieder zu gewinnen, nach dem 4-12…. Ächz. Die zwei Smith-Head Coaches in der Division sind wie die beiden Leben von Neo: One of these lives has a future, one of them does not.

What do all men with power want? More power.

Simon: Der mit Zukunft fängt gerade erst an – nach einer Auszeit. Lovie Smith ist nach Greg Schiano ein player-friendly Nachfolger, abe ich frage mich, ob der Unterschied nicht überstrapaziert wird?

Marko: Überstrapaziert ja, aber das sind halt sichere Headlines. Über so offensichtliche Wechsel lässt sich leicht berichten.

Simon: So wie die einfache Frage: Kommt Chicago jetzt nach Florida?

Marko: Viel ist nicht geblieben.

Simon: Die zwei Eckpfeiler defensiv sind es: Lavonte David und Gerald McCoy. Man könnte schlechtere Fundamente wählen.

Marko: Absolut. Neben McCoy hofft Lovie, dass Michael Johnson die Sackzahlen von 2012 und nicht von 2013 wiederholt.

Simon: Da muss man den Herrn aber verteidigen. Seine Sackzahlen waren schlechter, Pressure hat er immer noch gut gebracht. Da gibts größere Baustellen.

Marko: Wer ist Linebacker Nummer 3?

Simon: Keinen Plan.

Marko: Was sagst du, zum Plan Revis durch Alterraun Verner zu ersetzen?

Simon: Unser Vertrauen in Verner haben wir oft genug geäußert. Die andere Seite mit dem unbewährten Jonthan Banks macht mir aber in etwa so viele Sorgen wie die tickende Zeitbombe Dashon Goldson.

Marko: Mark Barron ist ja auch ein großes Fragezeichen. 1 aus 4, die Vertrauensquote könnte höher sein.

Simon: Das hat sich Mike Glennon, der Fastsuperbowlsiegerbesieger, auch gedacht.

Marko: Josh McCown ist quasi per sofort zum Starter ernannt worden.

Simon: Wenn ich dran denke, dass der in Alex Smith Zeiten von den Niners gecuttet worden ist …

Marko: … und dann so eine Saison hinlegt?

Simon: Ja, dann zeigt sich wieder: nicht jeder passt in jedes System.

Marko: Und es scheint fast so, als ob man mit Vincent Jackson und Mike Evans ein bisschen mehr Chicago Flair bringen will.

Simon: Ich steh ja voll auf Austin Seferian-Jenkins, den Rookie aus Washington.

Marko: Du bist schon ein Pac-12-Homer.

Simon: Du wirst schon sehen. Ich kann mir jedenfalls schlimmere Security Blankets als den Allround-Hünen vorstellen. Außerdem mag ich diese unterm Radar Ergänzungen, die vielleicht nicht flashy sind, aber eben dem Team helfen.

Marko: Hach, Anthony Collins.

Simon: Der wäre dein Wunsch-Liner für Atlanta gewesen?

Marko: Ja – und wie so oft landet er dann beim Rivalen.

Simon: Ein Guter.

Marko: Du untertreibst. Aber da war die Anzieungskraft vom neuen Players Coach wohl doch zu stark.

Simon: Power = Money?

Marko: Wo wir beim Running Game wären. Nach der Fluchsaison von Doug Martin wird man wohl ein Commitee sehen.

Simon: Mike James und Bobby Rainey sahen letztes Jahr recht solide mit Potential nach oben aus, aber der wirklich spannende Back hier ist Rookie Charles Sims aus West Virginia. Ich mag diesen großen once-cut runner, die gern nach außen gehen.

Marko: Ist Sims Montee Ball, wenn er kein in-the-box-runner wäre?

Simon: Das ist nicht der schlechteste Vergleich. Aber er wird hoffentlich nicht der wichtigste Offensive Rookie der Bucs sein. Wie sieht Mike Evans bisher aus?

Marko: Da sehe ich dann langsam eine gewisse Selbstverliebtheit von so einem alten, weisen, mächtigen Coach wie Smith: Er ist ein lauflastiger Defense-Coach, also wird er seinen Wunder-WR-Rookie nicht testen. Punkt.

Simon: So stur?

Marko: Evans hat in zwei Spielen jetzt 4 Targets. Seinen zweiten Career-Catch fumblet er an der Goalline in bester DeSean Jackson Manier.

Simon: Wenigstens macht er es jetzt, und nicht in der regular Season.

Marko: Das sicher. Aber wenn dein 1st round WR bisher weniger Catches und – damit nicht unverbunden – mehr Fumbles hat als dein 3rd Round RB, dann ist das nicht nur Zufall.

Simon: Es ist auch – im Sinne des Vergleichs offensiver Waffenentwicklung – durchaus bezeichnend, dass Evans’ 4 Targets auf 40 Snaps verblassen im Vergleich zu Cooks’ 12 Targets auf 78 Snaps.

Marko: Genau.

Simon: Beide Coaches bleiben ihrer Matrix treu. Der eine macht das schlauer …

Marko: Der andere …

Simon: Lassen wir das, es ist Preseason.

Beitragsbild by Thompson20192 under CC BY-SA 2.0 (cropped)

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