Aaron Donald sieht ausnahmsweise zu. Photo by Thomson20192 https://www.flickr.com/photos/93558439@N05/11292198483/in/photolist-icRtci-icRDaK-icQJoW-icRpAw-9fnjR2-9fnjWv-9fnjKB-eeHdHj

Wir lieben auch Aaron Donald, aber

Ich hab gestern ein Game Tape wieder gesehen, dass mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Es ging hierbei um den schönen Begriff des Sleeper Picks.

Der Sleeper Pick ist der heilige Gral aller Draftniks. Zu wissen, welcher Spieler unterschätzt werden und seine Draftposition am Feld weit überragen wird, ist seit jeher nicht nur eine fabelhafte Frühlingsbeschäftigung für Draft Nerds wie uns, sondern auch das Brot der Scouts und GMs der NFL. Tom Brady in der sechsten Runde zu finden erlaubt andere Positionen in früheren Runden anzugehen. Russell Wilson in Runde drei sichert dir als GM einen Vertrag, der den Rest des Teams bei weitem nicht so daran hindert erfolgreich zu sein, wie es ein 20-Millionen-Deal tut.

Sleeper Picks sind feel-good Stories, weil es immer Jungs sind, die against all odds zu Stars werden. Sie waren zu klein, zu faul, zu langsam, zu dick und wendeten das Blatt. Über Sleeper Picks zu schreiben ist eine der amerikanischsten Formen der Unterhaltung, die es in der amerikanischsten aller Major Sportligen gibt. Über Sleeper Picks im Nachhinein zu schreiben ist etwas, was Leute wie Peter King groß macht. Über Sleeper Picks im Vorhinein zu schreiben hingegen – ist praktisch paradox. Immerhin weiß man ja per Definition eben nicht vorher, ob ein Sechstrunder drei Super Bowls holen wird.

Es zeigt sich jedoch in den letzten Jahren ein Trend, der den Sleeper Pick ein bisschen zu Grabe trägt, und es hat vermutlich nicht sehr viel mit den Scouts zu tun: Die haben ihre Hits und Misses wie eh und je. Aber bei uns als Fans tut sich was, und zwar die allumfassende mediale Verfügbarkeit jeder erdenklichen scoutbaren Eigenschaft, die ein Draftie heutzutage haben kann. Wir habe Zugriff auf fast genausoviel Scout Reports und Game Tape wie jeder College Scout, und schwarmintelligent wie wir sind, filtern wir mittlerweile ganz gut die Cousin-Fan-Blogs raus von den brauchbaren Analysen. Was, dank Web 2.0 dann dazu führt, dass viel mehr Leute über Drafties reden als noch vor zehn Jahren, was wiederum zurückführt zu den Scouts, die kaum mehr Spieler „übersehen“ können, weil der mediale Rummel durch diese Demokratisierung des Sezierens zu groß ist.

Ein Sleeper ist heutzutage eben jemand wie Wilson, Runde 3 statt Runde 6. Und sogar da konnte man im Internet vorher lesen, dass, wenn er nur nicht so klein wäre, dann… und dann war er nicht zu klein. Wilson war keine Überraschung für Leute, die auch nur eine Spur neben ESPN und SI gelesen haben. Die Anzahl an UDFA Rookies, die im Draft übersehen werden, aber dann überzeugen, ist überschaubar, und meistens ist nur einer pro Jahr dabei, der es zu was bringt in der NFL. Joseph Fauria war letztes Jahr überdurchschnittlich gut. Vontaze Burfict zählt nicht als Sleeper Entdeckung, weil bei ihm der Pfad des Hypes umgekehrt war. Victor Cruz und Doug Baldwin waren nette Überraschungen, sowie Arian Foster auch. Das sind zwei bis drei Stars, die erst noch ihre Konsistenz unter Beweis stellen müssen, und eine handvoll guter Spieler. In fünf Jahren.

Eine schöne Geschichte zu dem Thema ist heuer Aaron Donald, der DT aus Pitt. Meine erste Notiz zu ihm stammt aus dem Dezember 2013 und lautete „just a tick undersized, Steal Alarm in Runde 2-3“. Eine Senior Bowl und einen Combine später wird Donald nicht jenseits der Top 16 und womöglich sogar innerhalb der Top 10 gehen. Was vor fünf Jahren noch als Geheimtipp funktioniert hat (Jurrell Casey ging in Runde 3, Geno Atkins in Runde 4 und bei beiden gab es die Befürchtung sie wären „too small“ für die NFL) ist heutzutage common sense. Es gibt keine Geheimtipps. Mein Draft Crush ist dein Draft Crush.

Und keine Frage, Donald zu lieben fällt leicht: Seine Penetration ist für einen 3-Tech schlicht wunderbar, sein First Step allein kann schon mal Guards einfach flatlinen und er wurde von Training zu Training besser bei der Senior Bowl, was sehr für das kritische Wort coachability spricht. As far as Draft Crushs go, dass der hier zu einem Massenphänomen wurde, ist die schöne Seite des Draft Hypes (für die Rückseite siehe z.B. Tebow).

Jetzt muss man halt nur sich wirklich die Mühe machen und überlegen, was aus Donald werden wird. Wie er in die Pläne von den Bears oder den Cowboys z.B. reinpassen könnte. Was seine Schwächen doch sein könnten. Denn das wird ja bei Crushes gern dann vergessen: Dass sie nicht nur overachieven die ganze Zeit, sondern auch Schwachstellen haben wie jeder andere Spieler auch. Bei Donald z.B. ist die Competition wirklich ein Fragezeichen, und sein einziges Spiel gegen einen Top Gegner, der Season Opener gegen FSU, ist leider wirklich ein erstaunlich leises Spiel. Das war das Game Tape das mich stutzig machte ob des Hypes, und nicht wenige Spieler, die kurz vor dem Draft in die erste Runde hochgespült wurden, entpuppten sich dann als ein bisschen kleiner als es ihr mediales Bild suggeriert hat.

Was bei Donald eine traurige Ironie wäre.

Beitragsbild by Thomson20192

3 Kommentare zu “Wir lieben auch Aaron Donald, aber”

    1. Ich glaube nicht, dass zwischen den Bucs und den Cowboys wirklich alle GMs so denken werden, und es reicht ja genau einer, der die Panik kriegt, also vermute ich schon, dass der in der ersten gehen wird. Ob er dahingehört ist natürlich eine andere Frage…

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